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Das Tierwohl steht zuoberst

Der Ueli-Hof befolgt eigene Richtlinien bei der Tierhaltung. Die sind sogar noch strenger als jene von Bio Suisse. Das freut die Schweine, die sich hier nach Herzenslaune im Schlamm suhlen dürfen.

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Mira ist die grosse alte Dame im Laufstall des Ueli-Hofs. Die 20-jährige Kuh brachte erst in diesem Frühling noch einmal ein gesundes Kälbchen auf die Welt. Aber nicht nur die greise Mutterkuh ist speziell hier am Ufer des Vierwaldstättersees in St. Niklausen LU. Zwischen den voll behangenen Hochstammbäumen hindurch sieht man gerade einen Raddampfer vorbeifahren. Die Schwalben sausen im Sturzflug über die Köpfe hinweg. Die idyllische Umgebung gäbe auf jeden Fall ein gutes Motiv ab. Biobauer Ueli Unternährer ist zwar kein Maler, trotzdem sieht er sich als eine Art Kunstschaffender: «Wir gestalten hier die Umgebung so, dass möglichst alles im Einklang mit der Natur ist». Hochstammbäume der Pro-Specie-Rara-Birnensorte Schwarzrädler, üppige Hecken für Vögel, Steinhaufen für Amphibien, Kuhweide und Schweinesuhlplatz sind hier eins.

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Weideschweine als Spezialität

Was gibt es in einem Schweineleben schöneres, als sich nach Herzenslust im Schlamm zu suhlen? Nicht viel vermutlich. Und trotzdem sehen viele Schweine in der Schweiz kaum einmal natürliche Erde, geschweige denn Schlamm. Anders auf dem Ueli-Hof. Die schwarz-weissen Schweine erholen sich gerade in ihrem Unterstand von den morgendlichen Erkundungstouren auf der Weide. Der Biobauer lacht: «Ihnen ist sauwohl!» Vor ein paar Jahrzehnten war die Rasse der Hampshire-Schweine in der Schweiz noch weitverbreitet. Doch in der intensiven Schweinehaltung stellen unter anderem die schwarzen Borsten ein Hindernis dar und der Fleischertrag dürfte den Ansprüchen der heutigen Schlachthöfe auch nicht mehr genügen. Eigenschaften wie Robustheit oder gute Muttereigenschaften sind da kaum mehr gefragt. Auf dem Ueli-Hof hingegen setzt man darauf, obwohl die Aufzucht etwas länger dauert. «Qualität braucht eben Zeit», sagt Ueli Unternährer. Die Ueli-Hof-Schweine erhalten neben dem normalen Biofutter täglich sogar eine Extraportion Gras. Viele konventionelle Schweinehalter schütteln hier instinktiv den Kopf, weil Raufutter als schlecht für die Fleischqualität gilt. Doch Lehrmeinungen werden auf dem Ueli-Hof traditionellerweise hinterfragt. Der Vater von Ueli Unternährer gilt als einer der «Erfinder» der Mutterkuhhaltung in der Schweiz. «Als er vor ein paar Jahrzehnten damit begann, die Milchkühe nicht mehr zu melken sondern die Milch den Kälbern zu überlassen, wurde er belächelt», sagt Ueli Unternährer. Heute halten in der Schweiz über 5000 Bauern Mutterkühe.

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Eigene Richtlinien

Die Zucht und Vermehrung der Schweine ist alles andere als einfach. Es gebe kaum mehr Tiere der Hampshire-Rasse, sagt der Biobauer. Das soll sich nun ändern. Zusammen mit anderen Landwirten in der Region hat er eine Erzeugergemeinschaft gegründet, die unter der eingetragenen Marke Ueli-Hof nach eigenen Richtlinien arbeitet, die über die Richtlinien von Bio Suisse hinausgehen. Dazu gehört auch die Haltung von traditionellen Schweine-, Rinder- und Schafrassen oder die Sicherstellung von kurzen Transportwegen. Möglichst wenig Stress und der sorgfältige Umgang mit den Tieren bei der Schlachtung stehen fix im Pflichtenheft. Nicht weit weg in Ebikon steht die Ueli-Hof Bio-Fleischmanufaktur mit eigenem Schlachthaus. «Bauern, die mit Ueli-Hof zusammenarbeiten, begegnen dem Tier bis zum Schluss mit viel Respekt». Alle Teile des Tieres werden weiterverarbeitet zu Frischfleisch, Trockenfleisch, Salami, Schinken, Lyoner und anderen Köstlichkeiten. Die getrockneten Schweinsöhrchen gelten als Hunde-Delikatesse. Diese komplette Verwertung ist für den Biobauern ein Zeichen des Respekts gegenüber dem Tier. Dazu passt auch sein kulinarisches Angebot «from nose to tail», bei dem den Leuten an einem Event Zunge, Leber oder Herz wieder nähergebracht wird.

Zu seinen Tieren pflegen Ueli Unternährer, seine Frau Lydia und die zwei Kinder Lynn und Simon fast schon ein persönliches Verhältnis. Die meisten nennen sie sogar beim Namen. «Wir leben ja nicht nur von sondern vor allem auch mit den Tieren.» Und die haben es gut hier. Wie beispielsweise die beiden Eselinnen Susi und Lolita, die seit bald 20 Jahren auf dem Ueli-Hof leben. «Sie kamen einst als Ferientiere zu uns und wurden vom Halter nicht mehr abgeholt». Sie hatten Glück, dass sie auf einen grossen Tierfreund trafen.

Natürlich begann alles auf Uelis Hof

Wobei: Genau genommen war es ja Walter und Trudis Hof. Hier, im idyllischen Mättiwil auf der Horwer Halbinsel, legten Walter Unternährer und sein Sohn Ueli 2002 den Grundstein zur Ueli-Hof AG. Hier eröffneten sie auch den ersten Verkaufsladen von Ueli-Hof. Und hier führen heute Ueli Unternährer und Partnerin Lydia Frey Unternährer den Betrieb ganz in Walter und Trudis Sinne weiter. Mit der Erzeugung von Fleisch vom Bio-Jungrind aus Mutterkuhhaltung, vom Bio-Schwein und vom Bio-Lamm. Und natürlich mit der Idee, dass auf Mättiwil die Erfolgsgeschichte von Ueli-Hof weiterhin gute Aussichten hat!